Herzenssache

Herzenssache: 02.06.2021 – Schaumdusche vom HERRN oder Wie sterbe ich richtig?

Seit meinem „Ich bin raus.“ sind mittlerweile ein paar Wochen ins Land gezogen und ich musste die ganze Zeit warten – nicht nur auf Sonnenschein und wärmere Temperaturen – sondern auch darauf, dass ich wieder „rein darf“ und Gott mir eine neue Sache zum Teilen aufs Herz gedrückt hat. Ich hatte in der Zwischenzeit viele gute Ansätze, aber am Ende meiner Überlegungen stand immer wieder der Statz: „Ich bin raus. Immer noch.“ Was ist das für ein Stadium? Was ist das für eine Zeit, in der wir leben? Ich glaube, es ist immer noch eine Zwischenzeit. Ein Zwischenstopp. Eine Pause von Gott, in der er sich uns mal zur Brust nimmt. Was sollen wir da? Uns eine Standpauke abholen, dass wir dies und das nicht richtig machen, oder dass wir doch mehr machen sollen für Ihn und für Sein Reich? Könnte man denken, stimmt aber nicht. Was macht ein Baby an der Brust? Trinken. Es wird satt, es wird ruhig, es wird friedlich, es ist seelig. Als erwachsene Menschen machen wir uns unser Essen in der Regel selber. Das ist gut und richtig, aber wenn es um unser Herz geht, funktioniert das nicht. Wenn wir nicht bei unserem himmlischen Vater, an der Quelle des Lebens und der Liebe und Weisheit und unendlich mehr, angedockt sind, können wir niemals satt werden, geschweige denn friedVOLL und selig.

Die Frage ist nun, wie geht das denn tatsächlich: direkt an der Quelle zu sein (und dann sogar selbst eine Quelle zu werden?) Als wir als Familie einmal zur Quelle der Pöhla im schönen Zechengrund wanderten, haben wir es leider (noch) nicht bis zu Quelle geschafft. Man läuft an einem schönen Bächlein entlang, dann wird es mit unter sehr sehr matschig, dann noch sehr steil und eng und es ist nur ein Hang mit Wiese, Büschen und Bäumen, kein Weg mehr und irgendwo versteckt dieses kleine Rinnsal. Meine Familie hatte keine Lust mehr. Wir gaben auf. Die Wanderung war auch so schön. Aber bis zur Quelle sind wir nicht gekommen. Ich vermute mal, dass meistens ein Weg an Fluss oder Bach breiter und viel bequemer ist, als wenn man über Stock und Stein bis zur Quelle vordringen möchte. Auf unser geistliches Leben übertragen könnte man also fragen: haben wir Lust uns bis zur Quelle durchzukämpfen, wenn sie nicht so bequem zu erreichen ist, wie in einem der wohlgepflasterten und hübsch angelegten Thermalorte? Bin ich bereit in dieser Zeit der „Ausbremsung“ den Weg zu gehen, den Gott mir vorschlägt?

Ich glaube, wenn wir ernsthaft unser Leben niederlegen und ausschließlich für Jesus Christus leben möchten, ist die Antwort klar. Der Weg zum Sterben ist nicht bequem. Es geht über Stock und Stein unserer Wünsche, Vorstellungen, Prägungen, Ersatzgötter, Eigenheiten, Ausreden und Ausflüchte; vom Gepäck, dass wir tragen ganz zu schweigen. Es macht die Wanderung nicht leichter. (Der einzige Vorteil vom Gepäck ist, man kann es einfach abstellen und stehenlassen, wenn man will; den Weg können wir nicht ändern.) Dann gibt es Momente (oder Tage), wo sich alles in einem nur noch sträubt und nix mehr geht. Laute (An-)Klage schallt gen Himmel. Wenn dann nichts zurückkommt, ist das kein Zeichen lieblosen Desinteresses, sondern ein Zeichen sehr großer Geduld, Liebe und Gnade. “Ich halte das mit dir aus, mein Kind. Ich bin da. Ich halte DICH aus. Mit deiner Ungeduld, deinem Ärger und deinem Trotz. Ich halte dich.“ Das ist nicht zu fassen und überwältigend gut. Dafür reicht menschliche Dankbarkeit garnicht aus. Und ich bin sehr dankbar, dass Gott mir auch einen Mann zur Seite gestellt hat, der das irgendwie mit mir aushält (halten muss😉), redet, betet und diesen Weg mitgeht. Und der am Mittagstisch Online-Bestellungen hervorzaubert, wo gratis eine „Glücksmoment-Schaumdusche“ extra für mich drin ist. Allein noch am Tisch sitzend probiere ich’s gleich aus: Zitronenminze-Avocadoöl herrlich duftend, weich und wohltuend zwischen meinen Handflächen… ein bisschen so wie Geduld, Liebe und Gnade; nicht zu fassen und überwältigend gut. So ist unser Gott. …mein Weg zur Quelle wird fortgesetzt…

“Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.” Matth. 16, 24-25 (Luther)

 

“Then Jesus went to work on his disciples. “Anyone who intends to come with me has to let me lead. You’re not in the driver’s seat; I am. Don’t run from suffering; embrace it. Follow me and I’ll show you how. Self-help is no help at all. Self-sacrifice is the way, my way, to finding yourself, your true self.”  Matth. 16, 24-25 (The Message)

 

Herzenssache

Herzenssache: 30.03.2021 – Ich bin raus!

Ein viel zitierter Satz, bei der Jugend meistens, wenn man etwas nicht versteht; bei Austeigern als Verabschiedung aus dem Konsumleben; bei Naturliebhabern, wenn sie mit Markenkleidung vom Berggipfel grüßen. Bei mir, als ich feststellte, dass ich nach drei Jahren Message ganz schön „runter“ war. (Und auch dann, wenn ich ernsthaft schreiben will und meine Tochter ruft: „Mamaaa, Du muss mal kommen, zu meinem Baumhaus!“).
Was war passiert?
In Samuel 16, 7 steht: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ Gott beurteilt also anders als wir und ER sieht unser Herz an. In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich auf eine Reise begeben und geschaut, was Jesus mir zeigen möchte. Er wollte, dass ich auch mal mein Herz anschaue. Nicht umsonst seht in Sprüche 4, 23 „Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus geht das Leben“ Irgendwie hatte ich das verpasst und es gab sehr viel (her)aufzuholen. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit und was Jesus immer wieder für mich tut. Das Bedeutsame an allem ist, dass ich nichts dazutun kann, außer bereit zu sein. Was unser Herz braucht, wo wir Erlösung, Reinigung und Heilung brauchen, dass kann nur Jesus schaffen, bringen, umgestalten. Auch das, was Gott vorbereitet und wozu er beruft, hängt nicht an mir. Es ist Seine Sache. Ich bin raus. Die Verantwortung (und alles andere auch) trägt er. Und er hat schon getragen, ertragen. Wir stehen kurz von den Tagen, wo wir besonders daran denken und feiern, was Jesus für uns getragen hat; was er für uns auf sich nahm, damit wir „raus“ sind. Ich mag das Lied von Elevation Worship “Gone”, wo es heißt „Done, done, He is risen it is done and I sing hallelujah” – Es ist vollbracht, ER ist auferstanden, es ist getan und ich singe Halleluja“. Das ist Schmecken und Sehen, wie freundlich der HERR ist (Psalm 34,8), wenn ich erlebe, dass sein Joch sanft ist und seine Last leicht (Matthäus 11, 30). Seine Gnade steht zur Verfügung. Ich will sie annehmen. Komplett. Ich muss nicht alles selbst schaffen. Ich kann nicht alles selbst schaffen. Ich kann Hilfe annehmen und darf Fehler machen. Danke Jesus!
Diese Reise ist auch noch nicht zu Ende und ich glaube, sie geht lebenslang, denn das „Reiseziel“ ist, dass wir Jesus, Gottes Sohn, in Wesen und Gestalt immer ähnlicher werden (Römer 8, 29). Auch die Losung von heute spricht davon, dass die Herrschaft auf seiner Schulter ist (Jesaja 9,5) und nicht auf meiner, auf unserer. Ist das nicht wunderbar? Ich bin raus. Ich darf Schaf sein und Jesus ist Hirte. Mein Fokus: Jesus. Mein Tun: hinterherlaufen.

Und wenn’s mal wieder garnicht „läuft“, so wie heute, wenn die Zeit verschoben ist, nix klappt, wie gewünscht; sich die Anfragen und Aufgaben türmen und ich mich gelähmt fühl, dann geh‘ ich raus. Und draußen im Dreck liegt ein Zettel, aus dem alten Werkzeugkoffer geflattert, vom März 1909 in altdeutscher Schrift: „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind.“ Römer 8, 28

Spätestens dann bin ich raus! 😊